25.07.2026
Reliquien-Prozession zum Kirchenrest
Zum 1150. Todestag König Ludwigs des Deutschen wurde am gestrigen Samstag, dem 29. August 2026, in Lorsch seiner Person und seiner letzten Ruhestätte gedacht. Der Herrscher starb am 28. August 876 und wurde bereits am folgenden Tag im Kloster Lorsch beigesetzt. 1150 Jahre später kehrte die Erinnerung an den karolingischen König an den Ort seiner Grablege zurück.
Den Auftakt der geistlichen Gedenkveranstaltung
bildete ein Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche Sankt Nazarius. Unter
der Leitung von Herrn Pfarrer Bartmann wurde dort des verstorbenen Königs in
einer Festpredigt gedacht.
Im Anschluss setzte sich eine Reliquien-Prozession mit Gebeinen des Heiligen Nazarius in Richtung des Kirchenfragments auf dem Klosterhügel in Bewegung. An diesem historischen Ort, an dem einst die Basilika des Klosters stand, fand eine geistliche Feierstunde mit Andacht statt. Einen besonderen Akzent setzte der Impulsvortrag von Herrn Dr. Hermann Schefers, dem Leiter der Welterbestätte Kloster Lorsch. Er rückte die historische Bedeutung Ludwigs des Deutschen und die Verbindung des Herrschers mit dem Kloster in den Mittelpunkt. Die Geschichte wurde dabei nicht nur durch Worte, sondern auch durch Musik lebendig.
Das Vokal-Ensemble der Schola St. Nazarius unter der Leitung von Thomas Adelberger brachte zeitgenössische karolingische Klänge und Litaneien aus dem Lorscher Rotulus zu Gehör. Die mittelalterliche Handschrift besitzt dabei eine besondere Bedeutung für die Geschichte der Stadt: der Lorscher Rotulus gilt als die einzige vollständig erhaltene Buchrolle der Karolingerzeit. Er wurde im Kloster Lorsch für König Ludwig den Deutschen angefertigt und enthält Fürbitten an mehr als 530 Heilige. Eine besondere Stellung nimmt dabei der heilige Nazarius ein, der bis heute als Schutzpatron von Lorsch verehrt wird. Mit dem Nazariuslied fand die Andacht schließlich einen feierlichen Abschluss. Der historische Hymnus ist mündlich überliefert und verbindet damit die religiöse Tradition der Gegenwart unmittelbar mit der jahrhundertealten Geschichte des Ortes.
Die Gedenkveranstaltung beweist, wie eng Lorsch noch heute mit seiner karolingischen Vergangenheit verbunden ist. Zwischen Gottesdienst, Prozession, historischem Vortrag und mittelalterlicher Musik wurde der 1150. Todestag Ludwigs des Deutschen nicht allein als historisches Ereignis erinnert, sondern als Teil der lebendigen kulturellen und geistlichen Geschichte des Klosters und der Stadt erfahrbar. Pfarrer Bartmann ermutigte die Lorscherinnen und Lorscher, dieses große historische Erbe auch zukünftig zu wahren und wertzuschätzen, wenn sie täglich am „Kapellsche“ vorbeigehen, und dankte allen Helfenden und Unterstützern für die Umsetzung der Feier.
Tipp:
Falls Sie diese mittelalterlichen Klänge interessieren oder Sie die Feierstunde verpasst haben, können Sie ähnliche Stücke jährlich am Gedenktag Kaiser Karls des Großen, des Großvaters Ludwig des Deutschen, erklingen hören. Das historische Karlsamt, welches ansonsten nur noch im Aachener und Frankfurter Kaiserdom gefeiert wird, legt die Pfarrei üblicherweise auf den vorletzten oder letzten Sonntag im Januar.
Bericht: Maximilian Grabelus
Bilder: Petra Zipp